Archiv der Kategorie: Aufgeschnappt

Auferstehung der kleinen Schritte

Immer dort,

Wo ein Stein voll Neid
Einem Steinchen Anerkennung weicht,

Wo ein Stein voll Hass
Einem Steinchen Freundlichkeit Platz macht,

Wo ein Stein voll Gewalt
Ein Steinchen Versöhnung zulässt,

Wo ein Stein voll Verzweiflung
Einem Steinchen Hoffnung Raum gibt,

Da beginnt ein kleines bisschen Auferstehung.

Das Gedicht stammt von der Osteraussendung der Krankenhausseelsorge SMZ Süd – Kaiser Franz Joseph-Spital.

Neugeburt

Ich bin aus Gott wie alles Sein geboren,
ich geh in Gott mit allem Mein zu sterben,
ich kehre heim, o Gott, als Dein zu leben.

Erst wurde ich aus Deinem Ich gegeben,
dann galt es, dies Gegebne zu erwerben,
Dir als ein Du es Brust an Brust zu heben.

Da wollte Stolz es mittendrin verderben,
und es ward Dir, und Du warst ihm verloren…
Bis dass Du übermächtig mich beschworen!

Da ward ich Dir zum andernmal geboren:
denn ich verstand zum erstenmal zu sterben,
denn ich empfand zum erstenmal zu leben.

Christian Morgenstern

Eure Erlösung ist nahe

Der Herbst in seiner Farbenpracht ist dennoch das Ende von Blüte, Wachstum und Fruchtbarkeit.Schnell kommen die ersten Boten des Winters.

Wetterumschwung!

Wir erleben in diesen Tagen große Veränderungen, Wetterumschwünge, die Angst machen, verunsichern –
überall, auch innerhalb unserer Gemeinschaft.
All das will unsere Hoffnung trüben.

Doch:

“Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.” 
Lukas 21,28

Weihnachten erzählt vom Licht im Dunkeln, vom Aufrichten, vom Erheben des gesenkten Hauptes. Menschwerdung ist Schlüsselwort salesianischer Spiritualität. Wer Mensch wird, wird ein Liebender!
Gott wird Mensch. Die Liebe erlöst. Das Licht beendet jedes Dunkel.

Ein ermutigendes, friedliches und erlösendes Weihnachtsfest

wünschen die Oblaten des hl. Franz von Sales!

Für das Kommende, das Jahr 2016, Hoffnung und Vertrauen!

Weihnachtskarte 2015 des Provinzialates der deutschsprachigen Provinz der Oblaten des heiligen Franz von Sales
Illustration: “Herbst im Gebirge” von Ines Höllwarth aus dem Nachlass von P. Dr. Anton Zottl OSFS

Die moralische Kraft des Fürbittgebets

Es gibt eine Gebetsform, die uns besonders anspornt, uns der Evangelisierung zu widmen: das Fürbittgebet. Schauen wir für einen Augenblick in das Innere eines großen Evangelisierers wie des heiligen Paulus, um zu verstehen, wie sein Gebet war. Dieses Gebet war angefüllt mit Menschen: » Immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude […] weil ich euch ins Herz geschlossen habe « (Phil 1,4.7). So entdecken wir, dass uns das Fürbittgebet nicht von der echten Betrachtung abbringt, denn die Betrachtung, welche die anderen draußen lässt, ist eine Täuschung.

Diese Haltung wird auch zu einem Dank an Gott für die anderen: » Zunächst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle « (Röm 1,8). Es ist ein beständiges Danken: » Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde « (1 Kor 1,4). » Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch denke « (Phil 1,3).

Wir können sagen, dass das Herz Gottes durch unser Fürbittgebet gerührt wird, aber in Wirklichkeit kommt er uns immer zuvor, und was wir mit unserem Fürbittgebet ermöglichen, ist, dass seine Macht, seine Liebe und seine Treue sich mit größerer Klarheit unter dem Volk zeigen.

Aus: Papst Franziskus „Evangelii gaudium“ 281ff

Was wir zuerst brauchen

Maria Schutz am Semmering, Niederösterreich

Gott,
wir möchten zuerst immer alles andere und dann erst Dich.
Wir brauchen aber zuerst Dich, um alles andere zu bewältigen.
Wir brauchen die Erfahrung Deiner Gegenwart.
Wir brauchen die Hoffnung auf Deine Zukunft.
Wir brauchen den Glauben an Deine Gerechtigkeit.
Wir brauchen das Vertrauen in Deine Liebe.
Wir brauchen Dich, unseren Gott;
dann werden wir auch alles andere schaffen.
Du wirst es uns – schenken. Amen.

Theo Schmidkonz SJ

Gebet zum “Tag der Schöpfung”, den Papst Franziskus mit den Orthodoxen Christen gemeinsam jährlich am 1. September feiern möchte

 

Wie wächst eine Pfarrei?

„Ich weiß, dass die Kirche kein Unternehmen ist“, sagt Pfarrer Michael White.
„Aber wir können folgende Haltungen von erfolgreichen Firmen lernen: Groß denken, aber nicht kompliziert sein! Negativem widerstehen, aus Kritik lernen und Verbesserungen erlauben. Und immer bereit sein zu lernen.“
Die einfache Mission der Pfarre lautet: „Liebe Gott. Liebe deinen Nächsten. Macht alle zu Jüngern!“

„Das Licht des Glaubens: Mit diesem Ausdruck hat die Tradition der Kirche das große Geschenk bezeichnet, das Jesus gebracht hat. ‚Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht im Finstern bleibt‘ (Joh. 12,46)
Wer glaubt, sieht; er sieht mit einem Licht, das die gesamte Wegstrecke erleuchtet, weil es vom auferstandenen Christus her zu uns kommt, dem Morgenstern, der nicht untergeht.“
(Papst Franziskus in Lumen fidei 1)

Weitere Anregungen unter www.osfs.eu,
www.franzvonsaleslexikon.de
www.pastoralinnovation.at

Urlaub = Erweiterung des Horizonts = neue Sichtweisen

Herr, unser Gott,

Für Deine unermessliche Liebe wollen wir Dir danken.
Gib, dass unser Herz immer mit dem Deinen verbunden bleibe.
Nimm uns auf in Deine Nähe.
Beschütze diejenigen, die Du mit Deiner Liebe gesegnet hast.
Herr, wir bitten Dich, nimm unsere Lobpreisungen und unsere Freudenrufe entgegen.
Gib, dass wir nicht aufhören, uns über jede einzelne Deiner Wohltaten zu erstaunen.
Für alles, was Du jedem einzelnen von uns angedeihen lässt, sagen wir Dir Dank.
Und gib, dass wir ohne Unterlass Deine Wunderwerke preisen.   AMEN

Pour ton immense amour, Seigneur, notre Dieu, nous voulons te rendre grâce.
Que notre cœur soit toujours uni au tien.
Accueille-nous auprès de toi.
Protège ceux que tu as consacrés par ton amour.
Seigneur, nous t’en prions, accueille nos louanges et nos cris de joie.
Que nous soyons toujours dans l’émerveillement pour chacun de tes bienfaits.
Pour tout ce que tu fais pour chacun d’entre nous, nous te disons merci.
Et que sans fin nous chantions tes merveilles.
AMEN

Gebet aus der Kirche St. Hippolyte / St. François de Sales in Thonon-les-Bains, Savoyen
Bild: Franz von Sales, Fenster der Kapelle der Oblatinnen des hl. Franz von Sales in 1080 Wien

Jesus macht in der Bergpredigt klar, worum es geht im Leben und Arbeiten

Zehn Möglichkeiten, was Erneuerungswillige ab sofort konkret tun können.

VON GEORG PLANK

Angesichts von offenen oder versteckten gewalttätigen und lebensfeindlichen Entwicklungen sind Christen und Kirchen heute gefordert. Das meint auch Innovation: säen, pflanzen und pflegen, damit gute Früchte wachsen können! Offensichtlich halten viele begeisterte Menschen Papst Franziskus für besonders innovativ. Sie freuen sich daher, wenn er den beharrenden Kräften die Meinung sagt. Wie kann man aber von der Begeisterung zur Umsetzung kommen? Wie können gesunde und schmackhafte Früchte wachsen? Was können kirchliche Gemeinschaften konkret dazu beitragen?

1. Keine Angst vor dem Schnitt.

Wie in einem Obstgarten müssen auch Organisationen regelmäßig einen Verjüngungs- und Pflegeschnitt durchführen. Wo gehören Verwucherungen durchforstet? Welche Wassertriebe oder verholzten Altäste fressen nur Zeit und Energie? Und welche alten Bäume haben ausgedient und müssen jungen Setzlingen Platz machen? Christen und Kirchen mit Mut zum gesunden Schnitt tun oft weniger, leiden kaum unter Stress, sind aber spürbar fruchtbarer.

Canterbury Cathedral Archbishop Bear

2. Alles sein, nur nicht langweilig. 

Christ sein ist spannend, oft ein Abenteuer, manchmal riskant, ja lebensgefährlich. Die Kirche Jesu ist lebendig und attraktiv. Nicht immer, klar. Aber wenn Langeweile und Irrelevanz die Regel sind, ist etwas faul. Gähnende Kinder in der Messe, fadisierte Erwachsene bei Vorträgen oder der oft stille Wegzug kritischer, selbstbewusster Männer und vor allem Frauen: Es gibt genug Warnzeichen. Darauf angemessen zu reagieren, zeichnet Innovatoren aus.

3. Die Warnungen vor Heuchelei beachten. 

Nichts wirkt so abstoßend wie Heuchelei. Mit Leuten, die sich gläubig gerieren und wichtig präsentieren, aber unglaubwürdig handeln, hatte schon Jesus die massivsten Probleme. Niemand muss und kann perfekt sein. Es geht um Glaubwürdigkeit. Die gewinnt man gerade auch dann, wenn man zu Fehlern steht, um Vergebung bittet und sich zu bessern bemüht. Wie generell Lernbereitschaft die Basis für Innovationen ist.

4. Vollmacht ausstrahlen. 

Gott sei Dank sind die Kirchen heute nicht mehr mächtig, können Menschen frei entscheiden und Pluralität nutzen. Wer nur auf Amtsautorität setzt, hat schon verloren. Wenn Zeitgenossen aller Milieus erleben: Da kann ich mich aufrichten, da gewinne ich Ansehen, da werde ich getröstet und gestärkt, da nimmt mich jemand ernst, werden alte und neue Orte neu attraktiv. Da strahlen Menschen und Gemeinschaften. Sie sind konkrete Heilmittel gegen die „Krankheit der Gleichgültigkeit“ und der „Versteinerung“ (Franziskus vor der Kurie) und den Moloch überbordender Profitgier.

5. Ärmel aufkrempeln für das Gute. 

Dazu sind viele Menschen, Vereine oder Unternehmen bereit, wenn es eine begeisternde Vision und faire Rahmenbedingungen gibt. Je stärker die Talente einzelner zum Zug kommen, umso mehr Wirkungen mit weniger Aufwand sind realistisch. Die Planer sollen sitzen, die Tüftler denken, die Besitzer spenden – die Umsetzer wollen etwas konkret anpacken. In einem gesunden Leib herrscht Ausgewogenheit.

6. Hinaus auf den Markt gehen. 

Die Zeit kirchlicher Monopole ist vorbei. Wird aber marktgerecht gehandelt? Der Religionspluralismus in den USA zeigt: Konkurrenz belebt die Sinne. Wären Caritas, kirchliche Schulen oder Ordensspitäler als Monopolisten auch so erfolgreich? Und wer Qualität will, muss messen! Warum Firmlinge nicht fragen, was ihnen zugesagt hat und was sie kritisch sehen? Wenn wegen jedes Handys oder Autos Evaluation und Marktforschung betrieben werden, wie viel mehr würde die Frohe Botschaft zeitgemäße Methoden verdienen!

7. Sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen. 

Egal, ob es eine Firma, eine Pfarre oder eine Familie ist: Nur wo sich der Einzelne als Glied eines Leibes begreift, sind mehr Wirkungen möglich. Es braucht sowohl Vielfalt als auch die sinnvolle Zusammensetzung und lebendige Verbundenheit der Teile. Der Papst spricht von der Krankheit der schlechten Koordination: „Dann wird der Leib zum Orchester, das nur Lärm hervorbringt.“

8. Die Freude nähren. 

Entscheidendes wie Freude, Begeisterung und Wertschätzung kostet kein Geld. Hirnforscher können nachweisen, dass es diese Faktoren sind, die Menschen verändern und ungeahnte Potenziale heben können. Die „Krankheit der Totengräbermiene“ verhindert Innovation.

9. Jesus in die Mitte stellen. 

Egal, ob kirchlich sozialisiert oder religiös unmusikalisch, jede und jeder kann sich mit Jesus auseinandersetzen. Die Bibel ist weder ein Geheimbuch noch im Besitz von Profis. „Jesus Christus kann die langweiligen Schablonen durchbrechen, in denen wir uns anmaßen, ihn gefangen zu halten, und überrascht uns mit seiner beständigen göttlichen Kreativität. Jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf.“ (Evangelii Gaudium)

10. Kreativ sein, humorvoll bleiben. 

Christen betrachten Innovationen als Landeplätze des Heiligen Geistes, der von Angst befreit, gute Ideen eingibt und Mut sowie Strapazfähigkeit zur Umsetzung schenkt. Innovatoren sind selten Einzelkämpfer, sie lieben die Arbeit in Teams. Sie genießen nämlich die Gemeinschaft, auch wenn es manchmal Reibung gibt, als Quelle von Energie und Zärtlichkeit.

(Entnommen aus: Kleine Zeitung vom 15. Februar 2015)
Siehe auch: www.pastoralinnovation.at

Oscar Romero – ein Heiliger der Gerechtigkeit

Oscar Romero (1917 – 1980) wird mit 60 Jahren innerhalb kürzester Zeit zum schärfsten Kritiker der sozialen Ungleichheit in seinem Heimatland El Salvador, der Menschenrechtsverletzungen und der Morde.

Der letzte Anstoß dazu ist die Ermordung seines Freundes Rutilio Grande SJ, den eine Todesschwadron erschießt. Grande hat Bauern im Kampf um ein Stückchen Land unterstützt.

Romero besucht die Gemeinden, sieht die Not, erfährt von den Verschwundenen und Ermordeten. In seinen Predigten, die der katholische Rundfunksender überträgt, nennt er die Namen der Opfer und der Täter.

Romero wird klar, dass er nicht mehr lange zu leben hat, weil er tut, was er tut. Er fährt nur noch alleine im Auto, niemand soll mit in den Tod gehen müssen. Eine Bombe beschädigt den katholischen Rundfunksender, als der wieder funktioniert, hält er am 23. März die Sonntagspredigt. Darin wendet er sich direkt an die Soldaten: “Wenn ein Mensch euch befiehlt zu töten, dann muss das Gesetz Gottes mehr gelten, das da lautet: Du sollst nicht töten! Kein Soldat ist verpflichtet, einem Befehl zu gehorchen, der gegen das Gesetz Gottes gerichtet ist.” Zwei Tage später ist Romero tot.

Romeros Beerdigung endet im Chaos. Eine Bombe explodiert vor der Kathedrale, 40 Menschen sterben. Die einfachen Menschen, die Bauern, die Landlosen, wissen aber: Im Grab im Ostflügel des Doms liegt einer, der sein Leben gegeben hat für sie.

Hunderttausende Gläubige, neun Staatschefs, fünf Kardinäle und 75 Bischöfe und Erzbischöfe werden an diesem Pfingstsamstag zur Seligsprechung erwartet.
(Verkürzt nach einem Artikel der Süddeutschen Zeitung von Matthias Drobinski)

Die Tiefe des Gebetes

Das Gebet, in dem wir in die Tiefen Gottes hinabsteigen, ist nicht dazu da, dass wir uns in unserer Haut wohler fühlen; Beten – nicht um irgendeines Gewinnes willen, sondern um als freie Menschen in die lebendige Gemeinschaft mit Christus hineinzufinden. Wenn der Mensch versucht, diese Gemeinschaft in Worte zu fassen, ist es bewusstes Beten. Es ist kein Privileg für einige wenige. Er ist ein Weg, der gangbar ist für die Jüngsten wie für die Ältesten. Im Gebet gewinnt unser Herz Klarheit und Durchsichtigkeit. Christus ist gegenwärtig.

Frère Roger, aus dem Tagesimpuls Schott online vom 10.5.2015