Schlagwort-Archive: Franz von Sales

Glaube ist Geschenk!

Der Heilige Franz von Sales wurde einmal von der heiligen Johanna Franziska von Chantal gefragt, ob er denn überhaupt nie Glaubenszweifel habe. Franz von Sales antwortete darauf: “Nein, eigentlich nicht. Und wenn, dann nur ganz kurz. Gott hat mich wahrlich mit einem festen Glauben beschenkt.” Es bestätigt sich dadurch eines: Glaube ist etwas, das wir nicht im Griff haben können. Der Glaube ist Geschenk, Gnade. Aber offensichtlich geht es auch anders. Jedenfalls hat es beim Apostel Thomas funktioniert. Seine Freunde erzählen ihm von der Begegnung mit dem Auferstandenen Jesus. Er reagiert mit Unglauben: “Wenn ich nicht mit eigenen Händen seine Wunden berühren kann, glaube ich nicht.” Und Jesus kommt tatsächlich. Thomas bekommt einen handfesten Beweis, der seinen Unglauben beendet. Uns sagt Jesus: “Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.”

Erstens: Glaubenszweifel sind erlaubt. Aber wir sollten wahrlich immer für Gott offen bleiben, nicht aufgeben oder gar Gott gegenüber gleichgültig werden.

Zweitens: Glaubenszweifel sind auch bei anderen Menschen erlaubt. Es braucht uns nicht zu schockieren, wenn jemand sagt: An die Auferstehung kann ich nicht glauben. Dieses Problem hatte auch der Apostel Thomas. Wichtig ist, dass wir diese Menschen mit ihren Zweifeln annehmen und sie nicht verurteilen, so wie eben Jesus den Thomas angenommen und nicht verurteilt hat.

Und drittens: Vielleicht schweigt Gott immer wieder, damit wir Menschen endlich erkennen, dass wir handfeste, spürbare Zeugen seiner Botschaft sein sollen. Wir sind es, die den Zweifelnden Rede und Antwort stehen sollen. Durch unser Zeugnis sollten die Zweifelnden spüren und erfahren können, dass an unserem Gott, an Jesus Christus, an unserem Glauben wirklich etwas dran ist.

Nach Herbert Winklehner osfs aus http://www.franzvonsaleslexikon.de

Ein Wort des hl. Franz von Sales zu jedem Tag finden Sie unter: www.osfs.eu „Zitat zum Tag“.

Geduld und Vernunft

Monatsgedanken März 2012

Wir möchten, dass es auf unserem Weg weder Schwierigkeiten noch Widerwärtigkeiten noch Plagen gäbe. Wir wünschten uns Freude ohne Rückschlag, immer Gutes ohne Böses, Gesundheit ohne Krankheit, Ruhe ohne Mühen, Frieden ohne Aufregung. Welch ein Unsinn! Man verlangt Unmögliches, denn die ungetrübte Reinheit gibt es nur im Paradies: Das Gute, das Ausruhen, die Freude, alles ist nur im Himmel ganz rein, ohne jegliche Beimischung von Unruhe und Leid. Dagegen weist die Hölle Schlechtigkeit, Verzweiflung, Aufruhr und Unrast in ebenso unverfälschter Reinheit auf, ohne dass dort irgend etwas Gutes, irgendwie Hoffnung, Ruhe und Frieden zu finden wären. In diesem vergänglichen Leben gibt es aber nichts Gutes, dem nicht Böses auf dem Fuß folgte, keinen Reichtum ohne Sorgen, kein Ruhen ohne Plage, keine Freude ohne Leid, keine Gesundheit ohne Krankheiten. Kurzum, alles ist miteinander vermischt, es ist ein ständiges Auf und Ab, Hin und Her.

Gott wollte den Wechsel der Jahreszeiten: auf den Sommer sollte der Herbst, auf den Winter der Frühling folgen, damit wir einsehen, dass in diesem Leben nichts von Bestand, nichts „von Dauer“ (Koh 2,11) ist und alles Zeitliche ständig in Fluss, den Veränderungen und dem Wechsel unterworfen. Aber wie gesagt, weil man sich dieser Wahrheit so wenig bewusst ist, deshalb die wechselnden Launen und Stimmungen. Man hört eben nicht auf die Vernunft, die Gott uns verliehen, und doch macht gerade sie uns Gott ähnlich, weil ihr Unwandelbarkeit, Beständigkeit und Festigkeit zu eigen sind.

Franz von Sales: Band 2, Seite 50

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Sanftmut und Geduld

Monatsgedanken Februar 2012

Es gehört nicht viel dazu, recht sanftmütig zu sein, wenn einem nichts in die Quere kommt und die Geduld nicht auf die Probe gestellt wird.

– Sagt man mir von einer Schwester: „Man hat sie noch nie einen Fehler begehen sehen,“ dann ist meine erste Frage: „Hat sie ein Amt?“ Und hat sie keines, dann gebe ich auf ihre Vollkommenheit nicht viel. Denn es ist ein sehr großer Unterschied zwischen der Tugendhaftigkeit einer solchen Schwester und der einer anderen, deren Tugend sich in äußeren Schwierigkeiten, wie Unannehmlichkeiten und Geschäften, oder in inneren Kämpfen und Versuchungen bewährt hat. Nicht im Frieden erstarkt die Tugend, sondern im Kampf mit den ihr entgegengesetzten Untugenden.

Gewiss, sich diese Tugend der Sanftmut mit dem Schwert in der Hand erstritten zu haben, mag ja vorbildlich und sehr erbaulich sein; kommt es aber zur Erprobung, dann könnt ihr es erleben, wie der Sanftmütige aufbraust und so beweist, dass seine Sanftmut nur eine eingebildete, nicht eine kraftvolle und echte Tugend war.

Franz von Sales, Bd.2, S. 249, Geistliche Gespräche

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Spiritualität behutsam und sanft

Wenn dein Herz wandert oder leidet,
bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn.

Und selbst wenn du in deinem Leben nichts getan hast,
außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen,
obwohl es jedesmal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest,
dann hast du dein Leben wohl erfüllt.

Franz von Sales

Wünsche für ein neues Jahr

Hab keine Angst!

Ich bitte dich: Lass dich in keiner Weise durch Angst verwirren! Der Skorpion ist giftig, wenn er sticht; zu einer breiigen Masse zerquetscht dagegen ergibt er ein Heilmittel gegen seinen eigenen Stich. So ist die Sünde eine Schande, wenn wir sie begehen; in Beichte und Buße umgewandelt aber ist sie ehrenvoll und heilsam. (Philothea 1,19)

Sei kühn!

O wie glücklich sind solche Seelen, die kühn und starkmütig an die Unternehmungen gehen, die Gott ihnen eingibt, aber auch geschmeidig und sanft diese aufzugeben wissen, wenn Gott es so haben will! (Theotimus IX,6, DASal 4,135)

Bleibe sanftmütig!

Die Sanftmut können wir gut an uns selbst üben, indem wir über uns oder unsere Fehler niemals in Zorn geraten. Gewiss verlangt die Vernunft, dass uns die Fehler missfallen und leid tun, aber dieses Missfallen darf nicht bitter, ärgerlich und zornig sein. Darin fehlen viele, die nach einem Zornausbruch [erst recht] in Zorn geraten, weil sie zornig waren; […] Die gewiss notwendige Abscheu vor unseren Fehlern muss also ruhig, ernst und fest sein. […] Glaube mir, ruhige und herzliche Ermahnungen des Vaters vermögen ein Kind viel eher zu bessern als Zorn und Wutausbrüche. (Philothea III, 9, DASal 1,132)

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Sehnsucht nach Gott!

Monatsgedanken Dezember 2011

Eine Geschichte erzählt von einem Gottsucher, der einen weisen Mann fragt, wie er Gott finden könnte. Der weise Mann antwortete nicht, sondern packte den Gottsucher, zerrte ihn zu einem Brunnen und drückte dessen Kopf unter Wasser, so als ob er ihn ertränken wolle. Als er ihn wieder losließ, rang der Gottsucher erst einmal gierig nach Luft. Daraufhin fragte der weise Mann: „Und? Was hast du gefühlt, als dein Kopf unter Wasser war?“ Der Gottsucher antwortete: „Ich spürte eine unendliche Sehnsucht nach Luft.“ Der Weise entgegnete: „Wenn dein Verlangen nach Gott ebenso stark ist, wie diese Sehnsucht nach Luft in jenem Augenblick, dann wirst du Gott finden.“

„Gott ist so groß“, meinte Teresa von Avila (1515-1582), „dass er es wohl wert ist, von uns ein Leben lang gesucht zu werden.“ In einer solchen Aussage wird die große Sehnsucht spürbar, die diese spanische Mystikerin und Kirchenlehrerin geleitet haben muss. Gott ist so groß, dass all mein Sehnen nicht ausreicht, um ihn wie ihm Hohelied schon in diesem Leben packen und nicht mehr loslassen zu können.

Franz von Sales denkt ähnlich. Erst nach unserem Tod wird die Tugend der Sehnsucht ihre Aufgabe erfüllt haben. Bis dahin aber bleibt das Verlangen nach Erkenntnis bestehen. Und so soll es auch sein, damit unser Blick auf das gerichtet sei, was wirklich wesentlich ist: Gott und seine ewige Herrlichkeit.

Gebet und Tröstungen

Monatsgedanken November 2011

Die wichtigste Bitte, die wir an Gott richten müssen, ist die um die Einheit unseres Willens mit dem seinen, und das letzte Ziel des Gebetes besteht darin, nichts zu wollen als Gott.
Darin ist auch die ganze Vollkommenheit enthalten, wie der Vater Ägidius sagt, ein Gefährte des hl. Franziskus. Als ihn einer fragte, wie er es anstellen müsse, um recht bald vollkommen zu sein, antwortete er: „Gib die eine dem Einen.“ Das heißt: du hast nur eine Seele und es gibt nur einen Gott; gib ihm deine Seele, und er wird sich dir schenken.
Das letzte Ziel des Gebetes kann also nicht sein, dass man die Zärtlichkeiten und Tröstungen haben will, die Unser Herr manchmal schenkt; denn die Vereinigung mit ihm besteht nicht in Tröstungen, sondern im Willen Gottes.

Franz von Sales, ausgewählte Predigten, Band 9, S. 223

Anregende Texte zu Franz v. Sales finden Sie unter http://www.osfs.eu/ und http://www.saekularinstitut-franz-von-sales.de/

Oktober: Rosenkranzmonat

Monatsgedanken Oktober 2011

Das Beten des Rosenkranzes nach der Methode Franz von Sales

Nachdem Sie Ihren Rosenkranz beim Kreuz genommen und es geküsst haben, werden Sie mit ihm das Kreuzzeichen über sich machen und sich in die Gegenwart Gottes versetzen, ihm Ihre Seele aufopfern mit allen ihren Fähigkeiten, vor allem Ihren Verstand und Willen, mit großem Verlangen, aufmerksam die Geheimnisse unseres Glaubens zu betrachten und aus ihnen das heilige Verlangen zu gewinnen, die Tugenden nachzuahmen, die unser Erlöser uns gelehrt hat, und andere Akte der Gottesliebe zu machen, der Bewunderung seiner grenzenlosen Vollkommenheiten, der Danksagung für seine Wohltaten, der Reue über Ihre Sünden, heiliger Vorsätze, sich zu bessern, Ihre Leidenschaften zu überwinden, in der Tugend Fortschritte zu machen. …

Darauf werden Sie mit großem Glauben das Credo beten, und um sich vorzubereiten, den Rosenkranz andächtig zu beten, werden Sie um den göttlichen Beistand bitten mit den Worten: O Gott, komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu helfen! Und Sie werden hinzufügen: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, und dies, um mit großem Verlangen die heiligste Dreifaltigkeit zu verherrlichen.

Nach dieser Vorbereitung werden Sie den Rosenkranz beginnen und bei den drei kleinen Perlen um die Fürsprache der glorreichen Jungfrau bitten, damit Sie ihn gut beten und daraus irgendeine geistliche Frucht gewinnen können. In dieser Absicht werden Sie bei der ersten der drei kleinen Perlen Unsere liebe Frau grüßen als die teuerste Tochter des ewigen Vaters; bei der zweiten werden Sie sie grüßen als Mutter des vielgeliebten Sohnes Gottes, unseres Erlösers; und bei der dritten werden Sie sie grüßen als vielgeliebte Braut des Heiligen Geistes. Darauf werden Sie die Geheimnisse des Rosenkranzes zu meditieren beginnen.

Wir beten in der Annakirche täglich um 17:15 Uhr den Rosenkranz.

Franz von Sales, Bd. 12, S. 246f

Gottesliebe schenkt Freiheit!

Monatsgedanken September 2011

Der folgende Text stammt aus einer Predigt des Hl. Franz v. Sales zum Fest des Hl. Augustinus:

Seht, er spricht von der Freiheit. Sie ist ja der kostbarste Teil des Menschen, denn wie ich gesagt habe, ist sie das Leben unseres Herzens. Sie ist also das Kostbarste, was wir schenken können. Sie ist außerdem das Letzte, was wir aufgeben, und es ist uns schmerzlicher, darauf zu verzichten. Gott selbst, der sie uns geschenkt hat, will sie nicht mit Gewalt haben, und wenn er verlangt, dass wir sie ihm schenken, will er, dass es freiwillig und gern geschieht. Nie hat er jemand gezwungen, ihm zu dienen, und er wird es nie tun. Er spornt uns zwar an, öffnet unser Gewissen, umgibt unser Herz, regt uns an, uns zu bekehren und ihm alles zu schenken, niemals aber nimmt er es mit Gewalt. Wahrhaftig, er könnte es tun, denn er hat die Macht, aber er will es nicht.

O Gott, wer könnte den vollkommenen Verzicht beschreiben, mit dem der hl. Augustinus der göttlichen Güte sich selbst und sein Leben ganz überließ, das nichts anderes ist als die Freiheit. Er war so sehr in heiliger Liebe entbrannt, dass er den Geschmack an allem anderen verloren hatte und in allem Geschmack an seinem Erlöser fand. Ich trank und aß, sagt er, ohne zu wissen, was ich aß; ich schlief, ohne zu wissen, was ich tat; ich fand in allem den Geschmack der Liebe meines Erlösers.

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Der Wille Gottes adelt unser Tun!

Monatsgedanken Juli 2011

Wir dürfen die Dinge nicht nach unserer Auffassung, sondern nach der Gottes beurteilen. Das ist das große Wort: wenn wir nach unserem Willen heilig sind, werden wir es niemals richtig sein, sondern wir müssen es nach dem Willen Gottes sein. Der Wille Gottes aber ist es, dass Sie aus Liebe zu ihm ganz frei so handeln: dass Sie aufrichtig die Erfüllung Ihrer Standespflichten lieben. Ich sage: Sie sollen sie lieben und gern tun, nicht wegen des äußerlichen Aktes, sondern wegen seines inneren Wesens, weil Gott ihn angeordnet hat, weil sich unter dieser niedrigen äußeren Schale der Wille Gottes vollzieht. Mein Gott, wie oft täuschen wir uns doch!
Ich sage Ihnen nochmals, dass wir nicht auf die äußere Beschaffenheit der Handlungen schauen sollen, sondern auf die innere, d.h. ob Gott es will oder nicht. Die weltlichen Anschauungen vermischen und vermengen sich immer wieder mit unseren Gedanken. Im Haus eines Fürsten gilt es nicht soviel, ein Küchenjunge zu sein als ein Kammerherr; im Haus Gottes aber sind die Küchenjungen und -mägde oft viel würdiger; wenn sie sich auch schmutzig machen, tun sie dies doch aus Liebe zu Gott, d.h. seinem Willen und seiner Liebe zuliebe. Und dieser Wille verleiht unseren Handlungen ihren Wert, nicht das Äußere.

Franz von Sales, Bd. 6, S. 103