Alle Beiträge von Annakirche

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Über Annakirche

Die Anbetungskirche im Herzen Wiens

Annafest 2011

Am Dienstag, dem 26. Juli, feierten wir das Patrozinium mit dem Neupriester P. Matthias Schlögl OSA.

Die festliche Gestaltung der Messe erfolgte durch die Choralschola von St. Anna mit der Missa de Angelis und den dreistimmigen Proprien von P. Fritz Schmalhofer OSFS.

P. Matthias, bald der neue Pfarrer in der Augustinerkirche, überraschte die Mitfeiernden mit einer sorgfältig vorbereiteten Predigt zur Geschichte der Annakirche. In seinem Segen konnte man auch einiges spüren von der guten Zusammenarbeit der beiden Orden.

Nach dem Hochamt wurde traditionsgemäß die Handreliquie der hl. Anna zur persönlichen Verehrung gereicht und den Gläubigen einzeln oder zu zweit der Primizsegen erteilt.

Ebenso traditionsgemäß fand der Abend einen stimmungsvollen Ausklang bei der Agape im Innenhof.
Herzlichen Dank allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die durch ihr Mitwirken zum Gelingen dieses großartigen Festes beigetragen haben!

Die Bilder zur Feier wurden zur Verfügung gestellt von Frt. Rupert Gerig OSA und Mag. Thomas Neunteufel.

Wenn die Liebe fehlt

Pflichtbewusstsein ohne Liebe macht verdrießlich,
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos,
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart,
Wahrheit ohne Liebe macht kritisch,
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll,
Klugheit ohne Liebe macht heuchlerisch,
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich,
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch,
Ehre ohne Liebe macht hochmütig,
Besitz ohne Liebe macht geizig,
Glaube ohne Liebe macht fanatisch,
Macht ohne Liebe macht gewalttätig,
Ein Leben ohne Liebe ist sinnlos.

 – Aus einem Beichtbild von St. Anna Wien –

Der Wille Gottes adelt unser Tun!

Monatsgedanken Juli 2011

Wir dürfen die Dinge nicht nach unserer Auffassung, sondern nach der Gottes beurteilen. Das ist das große Wort: wenn wir nach unserem Willen heilig sind, werden wir es niemals richtig sein, sondern wir müssen es nach dem Willen Gottes sein. Der Wille Gottes aber ist es, dass Sie aus Liebe zu ihm ganz frei so handeln: dass Sie aufrichtig die Erfüllung Ihrer Standespflichten lieben. Ich sage: Sie sollen sie lieben und gern tun, nicht wegen des äußerlichen Aktes, sondern wegen seines inneren Wesens, weil Gott ihn angeordnet hat, weil sich unter dieser niedrigen äußeren Schale der Wille Gottes vollzieht. Mein Gott, wie oft täuschen wir uns doch!
Ich sage Ihnen nochmals, dass wir nicht auf die äußere Beschaffenheit der Handlungen schauen sollen, sondern auf die innere, d.h. ob Gott es will oder nicht. Die weltlichen Anschauungen vermischen und vermengen sich immer wieder mit unseren Gedanken. Im Haus eines Fürsten gilt es nicht soviel, ein Küchenjunge zu sein als ein Kammerherr; im Haus Gottes aber sind die Küchenjungen und -mägde oft viel würdiger; wenn sie sich auch schmutzig machen, tun sie dies doch aus Liebe zu Gott, d.h. seinem Willen und seiner Liebe zuliebe. Und dieser Wille verleiht unseren Handlungen ihren Wert, nicht das Äußere.

Franz von Sales, Bd. 6, S. 103

70. Geburtstag Bruder Günter, Sonntag, 05. Juni 2011, 18.00 Uhr

Herzliche Einladung zur festlichen Messfeier anlässlich des 70. Geburtstages von Br. Günter Maier OSFS.

Bruder Günter verstärkt seit 1997 das Team der Sales-Oblaten in der Annakirche, als er seinen Dienst als Mesner und Hausmeister antrat und in der Umbauphase der Klosterräumlichkeiten getreulich das Haus hütete.
Den Gläubigen ist er als zuverlässiger Rosenkranz-Vorbeter, Sakristan & Ministrant, Kantor und Lektor bekannt.
Gastzelebrant ist P. Alois Haslbauer, Weggefährte aus den Anfangsjahren im Ordenshaus Eichstätt, in der bayerischen Heimat des Jubilars.

Alle guten Wünsche für ein weiteres segensreiches Wirken in Gesundheit und Zufriedenheit entbietet die St. Annagemeinde!

Weitere Bilder illustrieren das gelungene Fest.

Suche immer den Willen Gottes!

Monatsgedanken Juni 2011

Festigen Sie alle Tage immer mehr Ihren mit soviel Liebe gefassten Entschluss, Gott nach seinem Wohlgefallen zu dienen und ihm ganz zu gehören, ohne irgendetwas für Sie oder für die Welt zurückzubehalten. Nehmen Sie seinen heiligen Willen, wie immer er sein mag, in aller Aufrichtigkeit auf sich und denken Sie nie, Sie hätten die Reinheit des Herzens erreicht, die Sie ihm schenken sollen, bevor Ihr Wille nicht nur zur Gänze, sondern in allem, und sogar in den Ihnen am meisten widerstrebenden Dingen, freiwillig und freudig sich seinem hochheiligen Willen unterworfen hat. Betrachten Sie zu diesem Zweck nicht das Aussehen der Dinge, die Sie tun, sondern Ihn, der sie Ihnen befiehlt, der – wenn es ihm gefällt – seinen Ruhm und unsere Vollkommenheit aus den unvollkommensten und schwächsten Dingen zieht (1 Kor 1,27-29).

Schauen Sie nie auf die Beschaffenheit der Dinge, die Sie tun, sondern auf die Ehre, die sie, mögen sie noch so gering sein, haben, von Gottes heiligem Willen gewollt zu sein, von seiner Vorsehung befohlen und  durch seine Weisheit angeordnet zu werden. Mit einem Wort, wem sollten sie unangenehm sein, da sie doch Gott wohlgefällig und als solche anerkannt sind? Reinheit aber besteht darin, alle Dinge nach dem Gewicht des Allerheiligsten abzuschätzen und abzuwägen, das nichts anderes ist als der Wille Gottes.

Franz von Sales, Briefe II, S. 94

Reise nach Portugal, 27. März bis 4. April 2011

Auf Grund der Unruhen in der arabischen Welt haben wir uns entschlossen, eine Syrienreise aufzuschieben. Wir fahren statt dessen nach Portugal.

Zeit: 27. März 2011 – 4. April 2011
Programm: 1. Tag: Flug nach Lissabon, Besuch des Hieronymus Klosters, Torre Belem
2. Tag: In Lissabon
3. Tag: Evora, Fahrt zur Algarve
4. Tag: Lagos, Cabo des Cao Vincente, Übernachtung in Estoril
5. Tag: Sintra, Mafra, Obidos, Fatima.
6. Tag: Alcobaca, Batalha, Nazare, Fatima
7. Tag: Tomar, Conimbriga, Coimbra, Aveiro
8. Tag: Braga, Bom Jesus do Monte, Barcelos, Porto
9. Tag: Proto, Rückflug 17 Uhr über Frankfurt nach Wien. Ankunft 23:05

Franz von Sales: Ein Experte des menschlichen Herzens

Papst Benedikt XVI. sprach bei der Generalaudienz in Rom am 2. März 2011 über den heiligen Franz von Sales:

„Dieu est le Dieu du coeur humain“ [Gott ist der Gott des menschlichen Herzens] (Theotimus I,15; DASal 3,87)
In diesen scheinbar einfachen Worten lässt sich das Wesentliche der Spiritualität eines großen Lehrers erkennen ‑ Franz von Sales, Bischof und Kirchenlehrer ‑, von dem ich heute zu Ihnen sprechen möchte.

Er wurde 1567 in einer französischen Grenzregion geboren und war der Sohn des Herrn von Boisy aus einer alteingesessenen Adelsfamilie von Savoyen. Er lebte an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert und führte das Beste aus den Lehren und kulturellen Errungenschaften des zu Ende gehenden Jahrhunderts zusammen, indem er das Erbe des Humanismus mit der mystischen Sehnsucht nach dem Absoluten verband.

Seine Ausbildung war umfassend: die höheren Studien absolvierte er in Paris, wo er sich auch der Theologie widmete, und an der Universität von Padua. Er studierte Rechtswissenschaften, wie es sein Vater wollte, und schloss dieses glänzend mit dem Doktorgrad in utroque iure, also im Kirchen- und Zivilrecht ab.

In seiner sonst ruhigen Jugendzeit, während er sich mit dem Denken des heiligen Augustinus und des heiligen Thomas von Aquin beschäftigte, erlebte er eine tiefe Krise, die ihm die Frage nach seinem eigenen ewigen Heil in Bezug auf die göttliche Vorherbestimmung stellen ließ. Dies war auch die hauptsächliche theologische Frage seiner Zeit und sie entwickelte sich in ihm zu einem regelrechten spirituellen Drama, an dem er litt.

Er betete intensiv, trotzdem quälten ihn seine Zweifel so stark, dass er einige Wochen lang kaum noch essen oder schlafen konnte. Am Höhepunkt dieser Prüfung ging er zur Kirche der Dominikaner in Paris, öffnete dort sein Herz und betete folgendermaßen: „Was auch kommen mag, Herr, in dessen Hand alles gelegt ist und dessen Wege alle Gerechtigkeit und Wahrheit (Ps 24,10) sind; was immer durch den ewigen Ratschluss der Vorherbestimmung … über mich beschlossen sein mag, der du stets ein gerechter Richter und barmherziger Vater bist: ich will dich wenigstens in diesem Leben lieben, mein Gott; ich werde immer auf deine Barmherzigkeit hoffen und werde stets dein Lob vermehren (Ps 70,14), … Herr Jesus, du wirst immer meine Hoffnung und mein Heil im Land der Lebenden (Ps 141,6) sein.“ (DASal 11,328-329)

Der 20-jährige Franz fand in der radikalen und befreienden Wirklichkeit der Liebe Gottes seinen Frieden: Gott lieben, ohne im Gegenzug etwas von Gott zu verlangen, und seiner göttlichen Liebe ganz vertrauen; nicht länger fragen, was Gott mit mir tun wird, sondern einfach sagen: ich will Gott lieben, egal was er mir dafür gibt oder nicht gibt. So fand er seine Ruhe wieder und er löste die Frage der Prädestination, die zu dieser Zeit so heftig diskutiert wurde, indem er nicht mehr danach suchte, was er von Gott alles haben könnte, sondern Gott einfach nur liebte und sich seiner Güte überließ. Und genau das wurde zum Geheimnis seines ganzen Lebens, das in seinem Hauptwerk, der „Abhandlung über die Gottesliebe (Theotimus)“, aufleuchten wird.

Franz überwand den Widerstand seines Vaters und folgte dem Ruf des Herrn. Am 18. Dezember 1593 wurde er zum Priester geweiht. 1602 wurde er in einer Zeit Bischof von Genf, als diese Stadt die Hochburg des Calvinismus darstellte, weshalb sich sein Bischofssitz „im Exil“ in Annecy befand. Als Hirte einer armen und geplagten Diözese, in einer gebirgigen Landschaft, deren Rauheiten, aber auch deren Schönheiten er sehr gut kannte, schrieb er: „Ich bin ihm [Gott] in seiner ganzen Güte und Milde selbst inmitten unserer höchsten und rauesten Berge begegnet, wo viele einfache Seelen ihn in aller Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit lieben und anbeten, wo die Ziegen und Gämsen inmitten schrecklicher Gletscher herumspringen und sein Lob künden.“ (Brief an Johanna Franziska von Chantal, Ende Oktober 1606, DASal 5,133)

Der Einfluss seines Lebens und seiner Lehre auf das Europa der damaligen Zeit und der darauf folgenden Jahrhunderte war immens. Er war Apostel, Prediger, Schriftsteller, ein Mann der Taten und des Gebets; er fühlte sich verpflichtet, die Beschlüsse des Konzils von Trient umzusetzen; in den Auseinandersetzungen und Gesprächen mit den Protestanten wuchs in ihm mehr und mehr die Überzeugung, dass persönliche Beziehungen und Nächstenliebe viel wirkungsvoller sind, als notwendige theologische Streitgespräche; er wurde mit diplomatischen Missionen auf europäischer Ebene beauftragt und mit gesellschaftlichen Aufgaben der Vermittlung und Versöhnung betraut.
Vor allem aber war Franz von Sales ein Seelenführer: aus seiner Begegnung mit der jungen Frau von Charmoisy entstand seine Idee, eines der meist gelesenen Bücher der Neuzeit zu schreiben: die „Anleitung zum frommen Leben (Philothea)“. Aus seiner tiefen geistlichen Gemeinschaft mit einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, der heiligen Johanna Franziska von Chantal, wurde eine neue Ordensfamilie geboren, die Schwestern der Heimsuchung Mariens, deren besondere Charaktereigenschaft – nach dem Wunsch des Heiligen – darin besteht, sich ganz Gott zu weihen und ein Leben in Demut und Einfachheit zu führen, in dem gerade die gewöhnlichen Dinge außergewöhnlich gut getan werden. Ich will, schrieb er, „dass meine Töchter keinen anderen Anspruch erheben, als ihn (Gott) durch ihre Demut zu ehren.“ (Brief an Erzbischof de Marquemont, Juni 1615; DASal 8,231) Er starb 1622 mit 55 Jahren nach einem Leben, das durch die Rauheiten seiner Zeit und die Anstrengungen seiner Seelsorge geprägt war.

Das Leben des heiligen Franz von Sales war relativ kurz, aber er lebte es mit großer Intensität. Ein Eindruck seltener Vollendung geht von diesem Heiligen aus, die sich nicht nur in der Gelassenheit seines intellektuellen Forschens, sondern auch im Reichtum seiner Liebe und in der „Milde“ seiner Lehre zeigte, die großen Einfluss auf das christliche Gewissen hatte. Er verkörperte mehrere Bedeutungen des Wortes „Menschlichkeit“, das heute wie gestern auch Kultur und Höflichkeit, Freiheit und Freundlichkeit, Adel und Solidarität bedeuten kann. Sein Auftreten hatte etwas von der Majestät jener Landschaft, in der er lebte, ebenso wie die darin enthaltene Einfachheit und Natürlichkeit. Die alten Worte und Bilder, mit denen er sich ausdrückte, klingen sogar noch in den Ohren der Menschen von heute überraschend bodenständig und vertraut.

An Philotea, der fiktiven Empfängerin seiner „Anleitung zum frommen Leben“ (1609), richtete Franz von Sales eine Einladung, die zum damaligen Zeitpunkt als revolutionär galt. Es ist die Einladung, ganz Gott anzugehören und dennoch in der Welt zu leben und die Aufgaben des eigenen Standes vollkommen zu erfüllen. „Ich dagegen will gerade jenen helfen, die in der Stadt, im Haushalt oder bei Hof leben […]“ (Philothea, Vorwort; DASal 1,25). Jenes Dokument, in dem Papst Leo XIII. mehr als zwei Jahrhunderte später Franz von Sales zum Kirchenlehrer erklärte, bestätigte diese Ausweitung der Berufung zur Vollkommenheit und Heiligkeit. Leo XIII. schrieb dort: „[Echte Frömmigkeit] hat sich den Weg zu den Königsthronen [gebahnt], den Zelten der Heerführer, in die Gerichtshöfe und Werkstätten und sogar in die Flecken der Hirten.“ (Breve „Dives in Misericordia“, 16. November 1877)
Damit war die Berufung der Laien geboren, die weltlichen Güter zu segnen und den Alltag zu heiligen, wie das Zweite Vatikanische Konzil und die Spiritualität unserer Zeit betonen.

Franz von Sales sprach vom Ideal einer ausgesöhnten Menschheit, von der Harmonie zwischen dem aktiven Handeln in der Welt und dem Gebet, zwischen dem weltlichen Stand und dem Streben nach Vollkommenheit mit Hilfe der Gnade Gottes, die das Menschliche durchdringt und reinigt, ohne es zu zerstören, und zu den göttlichen Höhen erhebt.

Theotimus, dem erwachsenen, spirituell reifen Christen, an den er sich ein paar Jahre später in seiner „Abhandlung über die Gottesliebe“ als Adressaten wendet, erteilt Franz von Sales eine komplexere Lehre. Diese beginnt mit einer genauen Vision vom Menschen, einer Anthropologie: Der „Verstand“ des Menschen, genauer seine „vernunftbegabte Seele“ wird als ein harmonisches Gebilde gezeichnet, als ein Tempel, der sich aus mehreren Vorhöfen um ein Zentrum zusammensetzt. Dieses Zentrum nennt er vereint mit den großen Mystikern den „Gipfel“, die „Spitze“ der Seele. Es ist die Spitze, in der die Vernunft, nachdem sie alle Stufen durchlaufen hat, „die Augen schließt“, und wo das Wissen eins wird mit der Liebe (vgl. Theotimus I,12; DASal 3,82-85). Die Tatsache, dass die Liebe in ihrer theologischen, göttliche Dimension der Grund des Seins aller Dinge ist, eine aufsteigende Leiter, die offenbar keine Brüche oder Abgründe kennt, fasst Franz von Sales in einem berühmten Satz zusammen: „Der Mensch ist die Vollendung des Weltalls, der Geist Vollendung des Menschen, die Liebe Vollendung des Geistes und die göttliche Liebe Vollendung der Liebe.“ (Theotimus X,1; DASal 4,168)

In einer Epoche intensiver mystischer Blüte war die „Abhandlung über die Gottesliebe“ eine wahre und echte Summa sowie ein faszinierendes literarisches Werk. Seine Beschreibung der Reiseroute zu Gott beginnt mit der Erkenntnis der „natürlichen Neigung“ (Theotimus I,16; DASal 3,90) des menschlichen Herzens, Gott über alles zu lieben, obwohl er ein Sünder ist. Franz von Sales folgt dem Vorbild der Heiligen Schrift und spricht von der Vereinigung zwischen Gott und Mensch, in dem er eine ganze Reihe von Bildern aus dem Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen verwendet. Gott ist Vater und Herr, Ehegatte und Freund; er hat mütterliche Eigenschaften, er stillt den Menschen an seiner göttlichen Mutterbrust. Er ist die Sonne, für die selbst die Nacht eine geheimnisvolle Offenbarung darstellt. Dieser Gott zieht den Menschen mit den Banden seiner Liebe an sich, die aus wahrer Freiheit bestehen: „Denn die Liebe hält keine Sträflinge und keine Sklaven, sondern stellt alles unter ihren Gehorsam mit einer so bezaubernden Kraft, dass zwar nichts so stark ist wie die Liebe, aber auch nichts so liebenswert wie ihre Kraft.“ (Theotimus I,6; DASal 3,63)
Wir finden in der „Abhandlung“ unseres Heiligen eine tiefgründige Betrachtung über den menschlichen Willen und die Beschreibung seines Fließens, Hinübergehens und Sterbens, (vgl. Theotimus IX,13; DASal 4,153-155), um nicht nur in völliger Hingabe an den Willen Gottes zu leben, sondern auch an das, was Gott gefällt, an sein „bon plaisir“, sein „Wohlgefallen“ (vgl. Theotimus IX,1). Auf dem Gipfel dieser Vereinigung mit Gott findet sich zusätzlich zur Entrückung beschaulicher Ekstasen die konkrete Nächstenliebe wieder, die auf alle Bedürfnisse des Anderen achtet und die Franz von Sales „Ekstase der Tat“ nennt (Theotimus VII, 6; DASal 4,49-51)

Durch das Lesen dieses Buches über die Gottesliebe und mehr noch seiner vielen Briefe der Seelenführung und geistlichen Freundschaft spürt man, welch ein Experte des menschlichen Herzens Franz von Sales war. An die heilige Johanna Franziska von Chantal schrieb er: „Dies soll die Grundregel unseres Gehorsams sein: Ich schreibe sie in großen Buchstaben: ALLES AUS LIEBE TUN UND NICHTS AUS ZWANG! MEHR DEN GEHORSAM LIEBEN, ALS DEN UNGEHORSAM FÜRCHTEN! – Ich lasse Ihnen den Geist der Freiheit; nicht jenen, der den Gehorsam verneint, denn dies ist die Freiheit des Fleisches, sondern jenen, der Zwang, Skrupel und Hast ausschließt.“ (Brief vom 14. Oktober 1604; DASal 5,58) Nicht umsonst entdecken wir am Ursprung vieler Wege der Pädagogik und Spiritualität unserer Zeit den Stempel dieses Lehrers, ohne den es keinen heiligen Johannes Bosco gäbe und auch nicht den heroischen „kleinen Weg“ der heiligen Theresia von Lisieux.

Liebe Schwestern und Brüder, in einer Zeit wie der unsrigen, die nach Freiheit sucht, selbst mit Gewalt und Unruhen, sollten die zeitlosen Gedanken dieses großen Lehrers der Spiritualität und des Friedens nicht fehlen, eines Lehrers, der seinen Schülern den „Geist der Freiheit“ gab, den wahren Geist der Freiheit als Krönung seiner faszinierenden und vollkommenen Lehre über die Wirklichkeit der Liebe. Franz von Sales ist ein beispielhafter Zeuge des christlichen Humanismus. Mit seinem zugänglichen Stil, mit Worten, die zeitweise den Hauch von Poesie besitzen, erinnert er daran, dass der Mensch in seinem tiefsten Inneren die Sehnsucht nach Gott trägt und dass nur in Gott die wahre Freude und vollkommenste Erfüllung gefunden werden kann.
Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Gäste deutscher Sprache und heute ganz besonders natürlich an die Pilger aus Pentling. Insbesondere danke ich auch den Südtirolern für die schöne Musik. Wie der heilige Franz von Sales wollen wir uns der Hand Gottes anvertrauen und uns von seiner Liebe immer mehr prägen lassen. Der Herr segne euch alle.

Geselligkeit : Fasten

Die Tugend der Geselligkeit verlangt, dass man zu heiligem, maßvollem Frohsinn seinen Teil beitrage und sich an der Erholung und an den zwanglosen Unterhaltungen, die unseren Mitmenschen Freude und Entspannung geben, gerne beteilige.
Wir dürfen also den anderen nicht lästig fallen, weil wir dabei düster oder verdrießlich dreinschauen oder uns weigern, in der Erholungszeit fröhlich mitzutun; – auch nicht wie Pedanten alles austüfteln und jedes Wort hundertmal im Mund herumdrehen, damit es ja genügend überlegt sei und nicht am Ende angefochten werden könnte.
Solche Leute haben bei jeder Rede und Handlung Angst vor der Kritik; sie erforschen andauernd ihr Gewissen, nicht um zu wissen, ob sie Gott beleidigt, sondern ob sie jemand Anlass gegeben hätten, von ihnen eine geringere Meinung zu haben.

Jede gebrauche ihre Freiheit, richte keine, die es anders macht, und stelle auch ihre Art und Weise nicht als die beste hin.
Denn es kann sehr wohl sein, dass ein Essender in gleichem Maße oder noch mehr seinem eigenen Willen entsagt als ein Fastender.
Die hochherzige Frömmigkeit verlangt nicht nach Gefährtinnen für ihr Tun, sondern nur für ihre Absicht, die ja einzig nur auf die Verherrlichung Gottes und den Fortschritt des Nächsten in der Gottesliebe gerichtet ist.

Franz von Sales, Weisungen an die Schwestern der Heimsuchung, Deutsche Ausgabe Bd. 2, S. 37 u. 68.

Notwendigkeit des Gebetes

Monatsgedanken Februar 2011

1. Nichts ist geeigneter, unseren Verstand von Unwissenheit und unseren Willen von seinen verderbten Anhänglichkeiten zu reinigen, als das Gebet, das unseren Verstand in die Helle göttlichen Lichtes rückt und unseren Willen der Wärme göttlicher Liebe aussetzt. Das Gebet ist die segensreiche Quelle, deren belebende Wasser die Pflänzchen unserer guten Wünsche zum Grünen und Blühen bringen, jeden Makel von unserer Seele hinwegspülen und das von Leidenschaft erhitzte Herz abkühlen.

2. Vor allem aber empfehle ich dir das Gebet des Geistes und des Herzens, ganz besonders jenes, das zum Gegenstand das Leben und Leiden des Heilands hat. Wenn du ihn oft betrachtest, wird deine Seele von ihm erfüllt, du lernst seine Art und Weise kennen und deine Handlungen nach den seinen formen. Er ist das Licht der Welt. In ihm, durch ihn und für ihn müssen wir folglich erleuchtet werden. Kinder lernen sprechen, indem sie der Mutter zuhören und alles nachzusprechen versuchen; so werden auch wir, wenn wir durch die Betrachtung beim Heiland weilen, seine Worte und Handlungen, sein Denken und Fühlen beobachten, bald durch seine Gnade reden, handeln und wollen lernen wie er selbst. Glaube mir, wir können zu Gott dem Vater nur durch diese Pforte (Joh 14,6) gehen.

Franz von Sales, Philothea II,1

Fest des hl. Franz von Sales, 24.01.2011, 18.00 Uhr

Der Hl. Franz von Sales (1567 – 1622), Bischof und Kirchenlehrer, hat seinen Festtag am 24. Jänner.
Er ist der Ordenspatron der Oblaten des hl. Franz von Sales, der Kongregation, die seit über 100 Jahren die Annakirche betreut.
Wir ehren unser spirituelles Vorbild mit einem Pontifikalamt mit Nuntius Dr. Peter Zurbriggen.
Die Schola von St. Anna singt von Karl Kempter die „Missa Pastoritia“.

Anschließend laden wir zu einer klösterlichen Agape. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

 

Bilder vom Fest des hl. Franz von Sales stellte uns Mag. Thomas Neunteufel zur Verfügung. Deo gratias!