Archiv der Kategorie: Heilige/Selige

Marienmonat Mai

Im Frühling, nach der Fastenzeit und dem (in heutigen Zeiten zumindest an Sonnenlicht) entbehrungsreichen Winter, sind wir im Kirchenjahr eingeladen, uns in die Lieblichkeit und die mütterliche Güte Marias einzufühlen.

In den Maiandachten können wir das Leben und Wirken der Gottesmutter betrachten und zum Vorbild nehmen. Sie hat sich dem Willen Gottes vorbehaltlos vertrauend zur Verfügung gestellt.

Wenn wir sie ehren, ehren wir durch sie ihren Sohn.
Wenn wir sie anrufen, rufen wir in Gemeinschaft mit ihr den Vater an. Und wenn wir ihr nacheifern, geben wir dem Geist die Möglichkeit, in uns zur Entfaltung zu kommen.

Bin ich meiner Veranlagung ausgeliefert?

Monatsgedanken Mai 2012

Es gibt in der Tat Leute, die sagen:
Es ist wahr, dass ich jähzornig bin, aber was soll ich tun? Das ist meine Veranlagung.
Wer sieht nicht die Täuschung der Eigenliebe? Als ob es durch die Güte Gottes nicht in unserer Macht stünde, uns zu überwinden, gegen unsere Neigungen und nach der Vernunft zu leben, die uns lehrt, dass wir nicht auf sie hören dürfen!

Eine andere sagt: Es stimmt, dass ich ein wenig eitel bin; aber ich neige dazu, mich zu putzen und Verlangen danach zu haben, dass ich gelobt und geschätzt werde; ich wüsste nicht, was man da tun soll.

O Gott, man beachtet nicht, wozu die göttliche Güte zugelassen hat, dass als Folge der Sünde unseres Stammvaters uns nach der Taufe manche schlechten Neigungen geblieben sind, zumal uns in der Taufe die hinreichende Gnade geschenkt wurde, uns zu überwinden. Seine Absicht dabei ist nichts anderes, als uns Gelegenheit zu geben, dass wir auf diese Weise mehr Verdienste erwerben, indem wir mutig daran arbeiten, aus Liebe zu Gott uns selbst zu überwinden.

Dazu empfangen wir, nachdem wir den Gebrauch der Vernunft erlangt haben, das Sakrament der Firmung, durch das wir uns unter das Banner der göttlichen Majestät stellen, um als tapfere Soldaten für die Verherrlichung seines Namens zu kämpfen.
Nachdem die Christen auf diese Weise gestärkt sind, bringen sie sich am Pfingstfest als Brote dar, die mit dem neuen Weizen der unverbrüchlichen Vorsätze bereitet sind, die sie gefasst haben, lieber zu sterben, als Gott freiwillig zu beleidigen.

Franz von Sales: Aus einer Predigt zur Profess 8. Juni 1618 DASal 9, 163f

Ein Zitat des hl. Franz von Sales zu jedem Tag finden Sie unter: http://www.osfs.at/ „Ein Wort zum Tag“.

Glaube ist Geschenk!

Der Heilige Franz von Sales wurde einmal von der heiligen Johanna Franziska von Chantal gefragt, ob er denn überhaupt nie Glaubenszweifel habe. Franz von Sales antwortete darauf: „Nein, eigentlich nicht. Und wenn, dann nur ganz kurz. Gott hat mich wahrlich mit einem festen Glauben beschenkt.“ Es bestätigt sich dadurch eines: Glaube ist etwas, das wir nicht im Griff haben können. Der Glaube ist Geschenk, Gnade. Aber offensichtlich geht es auch anders. Jedenfalls hat es beim Apostel Thomas funktioniert. Seine Freunde erzählen ihm von der Begegnung mit dem Auferstandenen Jesus. Er reagiert mit Unglauben: „Wenn ich nicht mit eigenen Händen seine Wunden berühren kann, glaube ich nicht.“ Und Jesus kommt tatsächlich. Thomas bekommt einen handfesten Beweis, der seinen Unglauben beendet. Uns sagt Jesus: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.“

Erstens: Glaubenszweifel sind erlaubt. Aber wir sollten wahrlich immer für Gott offen bleiben, nicht aufgeben oder gar Gott gegenüber gleichgültig werden.

Zweitens: Glaubenszweifel sind auch bei anderen Menschen erlaubt. Es braucht uns nicht zu schockieren, wenn jemand sagt: An die Auferstehung kann ich nicht glauben. Dieses Problem hatte auch der Apostel Thomas. Wichtig ist, dass wir diese Menschen mit ihren Zweifeln annehmen und sie nicht verurteilen, so wie eben Jesus den Thomas angenommen und nicht verurteilt hat.

Und drittens: Vielleicht schweigt Gott immer wieder, damit wir Menschen endlich erkennen, dass wir handfeste, spürbare Zeugen seiner Botschaft sein sollen. Wir sind es, die den Zweifelnden Rede und Antwort stehen sollen. Durch unser Zeugnis sollten die Zweifelnden spüren und erfahren können, dass an unserem Gott, an Jesus Christus, an unserem Glauben wirklich etwas dran ist.

Nach Herbert Winklehner osfs aus http://www.franzvonsaleslexikon.de

Ein Wort des hl. Franz von Sales zu jedem Tag finden Sie unter: www.osfs.eu „Zitat zum Tag“.

Geduld und Vernunft

Monatsgedanken März 2012

Wir möchten, dass es auf unserem Weg weder Schwierigkeiten noch Widerwärtigkeiten noch Plagen gäbe. Wir wünschten uns Freude ohne Rückschlag, immer Gutes ohne Böses, Gesundheit ohne Krankheit, Ruhe ohne Mühen, Frieden ohne Aufregung. Welch ein Unsinn! Man verlangt Unmögliches, denn die ungetrübte Reinheit gibt es nur im Paradies: Das Gute, das Ausruhen, die Freude, alles ist nur im Himmel ganz rein, ohne jegliche Beimischung von Unruhe und Leid. Dagegen weist die Hölle Schlechtigkeit, Verzweiflung, Aufruhr und Unrast in ebenso unverfälschter Reinheit auf, ohne dass dort irgend etwas Gutes, irgendwie Hoffnung, Ruhe und Frieden zu finden wären. In diesem vergänglichen Leben gibt es aber nichts Gutes, dem nicht Böses auf dem Fuß folgte, keinen Reichtum ohne Sorgen, kein Ruhen ohne Plage, keine Freude ohne Leid, keine Gesundheit ohne Krankheiten. Kurzum, alles ist miteinander vermischt, es ist ein ständiges Auf und Ab, Hin und Her.

Gott wollte den Wechsel der Jahreszeiten: auf den Sommer sollte der Herbst, auf den Winter der Frühling folgen, damit wir einsehen, dass in diesem Leben nichts von Bestand, nichts „von Dauer“ (Koh 2,11) ist und alles Zeitliche ständig in Fluss, den Veränderungen und dem Wechsel unterworfen. Aber wie gesagt, weil man sich dieser Wahrheit so wenig bewusst ist, deshalb die wechselnden Launen und Stimmungen. Man hört eben nicht auf die Vernunft, die Gott uns verliehen, und doch macht gerade sie uns Gott ähnlich, weil ihr Unwandelbarkeit, Beständigkeit und Festigkeit zu eigen sind.

Franz von Sales: Band 2, Seite 50

Weitere Texte zu Franz von Sales finden Sie unter
www.osfs.eu

Sanftmut und Geduld

Monatsgedanken Februar 2012

Es gehört nicht viel dazu, recht sanftmütig zu sein, wenn einem nichts in die Quere kommt und die Geduld nicht auf die Probe gestellt wird.

– Sagt man mir von einer Schwester: „Man hat sie noch nie einen Fehler begehen sehen,“ dann ist meine erste Frage: „Hat sie ein Amt?“ Und hat sie keines, dann gebe ich auf ihre Vollkommenheit nicht viel. Denn es ist ein sehr großer Unterschied zwischen der Tugendhaftigkeit einer solchen Schwester und der einer anderen, deren Tugend sich in äußeren Schwierigkeiten, wie Unannehmlichkeiten und Geschäften, oder in inneren Kämpfen und Versuchungen bewährt hat. Nicht im Frieden erstarkt die Tugend, sondern im Kampf mit den ihr entgegengesetzten Untugenden.

Gewiss, sich diese Tugend der Sanftmut mit dem Schwert in der Hand erstritten zu haben, mag ja vorbildlich und sehr erbaulich sein; kommt es aber zur Erprobung, dann könnt ihr es erleben, wie der Sanftmütige aufbraust und so beweist, dass seine Sanftmut nur eine eingebildete, nicht eine kraftvolle und echte Tugend war.

Franz von Sales, Bd.2, S. 249, Geistliche Gespräche

Weitere Texte zu Franz von Sales finden Sie unter http://www.osfs.eu/

 

Spiritualität behutsam und sanft

Wenn dein Herz wandert oder leidet,
bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn.

Und selbst wenn du in deinem Leben nichts getan hast,
außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen,
obwohl es jedesmal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest,
dann hast du dein Leben wohl erfüllt.

Franz von Sales

Fest des hl. Franz von Sales 2012

„Für die Menschen da sein
und sie zu Jesus führen!“

Mit diesen Worten würdigte der Wiener Weihbischof Dipl. Ing. Mag. Stephan Turnovszky das Wirken der Oblaten des Hl. Franz von Sales in der Annakirche, in der sie für eine Atmosphäre der anbetenden Stille vor dem Allerheiligsten und einen stets besetzten Beichtstuhl sorgen.

Für sie war es eine besondere Freude, am Festtag ihres Ordensheiligen am 24. Jänner 2012 mit dem sympathischen jungen Weihbischof, Brüdern im Glauben aus St. Augustin (u.a. dem zuständigen Pfarrer P. Matthias) und zahlreichen Gläubigen, die an diesem Tag die Annakirche füllten, die Eucharistie zu feiern.

Der Hausobere der Gemeinschaft, P. Bachinger, nahm die Gelegenheit wahr, sich bei den vielen Menschen zu bedanken, die mit ihrem zuverlässigen Einsatz zusammenhelfen, das Gemeindeleben im Alltag und bei den Festen lebendig zu erhalten:
So wuchsen die Mitglieder der Choralschola St. Anna nicht nur mit der Aufführung der „Missa Pastoritia“ von Karl Kempter über sich hinaus, sondern sind auch federführend bei der Organisation und der Ausstattung der Agapen mit besonderen Schmankerln.
Ebenso gebührt dem Organisten, Herrn Gerhard Sappert, ein spezieller Applaus für seinen umsichtigen Einsatz das ganze Jahr über, und ist auch die im Haus untergebrachte Pfadfindergruppe immer bereit, bei Sondereinsätzen helfend einzuspringen.

Über dem Ort weht eben der Geist des heiligen Franz von Sales in besonderer Weise, und über ihn lasse es sich aber auch ganz besonders leicht predigen, stellte der Weihbischof fest, indem er der Festgemeinde ein Zitat des Tagesheiligen verriet, das ihn auf seinem ganz persönlichen spirituellen Weg begleitet hat (und das wie ein wunderbarer Ratschlag klingt, sollte es im eigenen Leben oder im Zusammenleben in einer Gemeinschaft einmal doch nicht so friktionsfrei ablaufen):

Wenn dein Herz wandert oder leidet, 
bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn.
Und selbst wenn du in deinem Leben nichts getan hast, 
außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen,
obwohl es jedesmal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest,
dann hast du dein Leben wohl erfüllt. 

Zum Nachklingen gebracht wurde die Aussage mit der Feststellung, dass man den Urheber Franz von Sales am besten charakterisiert, indem man das Hauptaugenmerk auf die Worte „behutsam“ und „sanft“ legt…

Wir bedanken uns sehr herzlich bei den Festzelebranten, allen Helferinnen und Helfern, die noch nicht genannt worden sind, sowie bei Mag. Thomas Neunteufel, der wieder für die Bilder vom Fest gesorgt hat.

.

Wünsche für ein neues Jahr

Hab keine Angst!

Ich bitte dich: Lass dich in keiner Weise durch Angst verwirren! Der Skorpion ist giftig, wenn er sticht; zu einer breiigen Masse zerquetscht dagegen ergibt er ein Heilmittel gegen seinen eigenen Stich. So ist die Sünde eine Schande, wenn wir sie begehen; in Beichte und Buße umgewandelt aber ist sie ehrenvoll und heilsam. (Philothea 1,19)

Sei kühn!

O wie glücklich sind solche Seelen, die kühn und starkmütig an die Unternehmungen gehen, die Gott ihnen eingibt, aber auch geschmeidig und sanft diese aufzugeben wissen, wenn Gott es so haben will! (Theotimus IX,6, DASal 4,135)

Bleibe sanftmütig!

Die Sanftmut können wir gut an uns selbst üben, indem wir über uns oder unsere Fehler niemals in Zorn geraten. Gewiss verlangt die Vernunft, dass uns die Fehler missfallen und leid tun, aber dieses Missfallen darf nicht bitter, ärgerlich und zornig sein. Darin fehlen viele, die nach einem Zornausbruch [erst recht] in Zorn geraten, weil sie zornig waren; […] Die gewiss notwendige Abscheu vor unseren Fehlern muss also ruhig, ernst und fest sein. […] Glaube mir, ruhige und herzliche Ermahnungen des Vaters vermögen ein Kind viel eher zu bessern als Zorn und Wutausbrüche. (Philothea III, 9, DASal 1,132)

Weitere Texte zu Franz von Sales finden Sie unter: http://www.franzvonsaleslexikon.de/

Sehnsucht nach Gott!

Monatsgedanken Dezember 2011

Eine Geschichte erzählt von einem Gottsucher, der einen weisen Mann fragt, wie er Gott finden könnte. Der weise Mann antwortete nicht, sondern packte den Gottsucher, zerrte ihn zu einem Brunnen und drückte dessen Kopf unter Wasser, so als ob er ihn ertränken wolle. Als er ihn wieder losließ, rang der Gottsucher erst einmal gierig nach Luft. Daraufhin fragte der weise Mann: „Und? Was hast du gefühlt, als dein Kopf unter Wasser war?“ Der Gottsucher antwortete: „Ich spürte eine unendliche Sehnsucht nach Luft.“ Der Weise entgegnete: „Wenn dein Verlangen nach Gott ebenso stark ist, wie diese Sehnsucht nach Luft in jenem Augenblick, dann wirst du Gott finden.“

„Gott ist so groß“, meinte Teresa von Avila (1515-1582), „dass er es wohl wert ist, von uns ein Leben lang gesucht zu werden.“ In einer solchen Aussage wird die große Sehnsucht spürbar, die diese spanische Mystikerin und Kirchenlehrerin geleitet haben muss. Gott ist so groß, dass all mein Sehnen nicht ausreicht, um ihn wie ihm Hohelied schon in diesem Leben packen und nicht mehr loslassen zu können.

Franz von Sales denkt ähnlich. Erst nach unserem Tod wird die Tugend der Sehnsucht ihre Aufgabe erfüllt haben. Bis dahin aber bleibt das Verlangen nach Erkenntnis bestehen. Und so soll es auch sein, damit unser Blick auf das gerichtet sei, was wirklich wesentlich ist: Gott und seine ewige Herrlichkeit.

Gebet und Tröstungen

Monatsgedanken November 2011

Die wichtigste Bitte, die wir an Gott richten müssen, ist die um die Einheit unseres Willens mit dem seinen, und das letzte Ziel des Gebetes besteht darin, nichts zu wollen als Gott.
Darin ist auch die ganze Vollkommenheit enthalten, wie der Vater Ägidius sagt, ein Gefährte des hl. Franziskus. Als ihn einer fragte, wie er es anstellen müsse, um recht bald vollkommen zu sein, antwortete er: „Gib die eine dem Einen.“ Das heißt: du hast nur eine Seele und es gibt nur einen Gott; gib ihm deine Seele, und er wird sich dir schenken.
Das letzte Ziel des Gebetes kann also nicht sein, dass man die Zärtlichkeiten und Tröstungen haben will, die Unser Herr manchmal schenkt; denn die Vereinigung mit ihm besteht nicht in Tröstungen, sondern im Willen Gottes.

Franz von Sales, ausgewählte Predigten, Band 9, S. 223

Anregende Texte zu Franz v. Sales finden Sie unter http://www.osfs.eu/ und http://www.saekularinstitut-franz-von-sales.de/