Geselligkeit : Fasten

Die Tugend der Geselligkeit verlangt, dass man zu heiligem, maßvollem Frohsinn seinen Teil beitrage und sich an der Erholung und an den zwanglosen Unterhaltungen, die unseren Mitmenschen Freude und Entspannung geben, gerne beteilige.
Wir dürfen also den anderen nicht lästig fallen, weil wir dabei düster oder verdrießlich dreinschauen oder uns weigern, in der Erholungszeit fröhlich mitzutun; – auch nicht wie Pedanten alles austüfteln und jedes Wort hundertmal im Mund herumdrehen, damit es ja genügend überlegt sei und nicht am Ende angefochten werden könnte.
Solche Leute haben bei jeder Rede und Handlung Angst vor der Kritik; sie erforschen andauernd ihr Gewissen, nicht um zu wissen, ob sie Gott beleidigt, sondern ob sie jemand Anlass gegeben hätten, von ihnen eine geringere Meinung zu haben.

Jede gebrauche ihre Freiheit, richte keine, die es anders macht, und stelle auch ihre Art und Weise nicht als die beste hin.
Denn es kann sehr wohl sein, dass ein Essender in gleichem Maße oder noch mehr seinem eigenen Willen entsagt als ein Fastender.
Die hochherzige Frömmigkeit verlangt nicht nach Gefährtinnen für ihr Tun, sondern nur für ihre Absicht, die ja einzig nur auf die Verherrlichung Gottes und den Fortschritt des Nächsten in der Gottesliebe gerichtet ist.

Franz von Sales, Weisungen an die Schwestern der Heimsuchung, Deutsche Ausgabe Bd. 2, S. 37 u. 68.

Notwendigkeit des Gebetes

Monatsgedanken Februar 2011

1. Nichts ist geeigneter, unseren Verstand von Unwissenheit und unseren Willen von seinen verderbten Anhänglichkeiten zu reinigen, als das Gebet, das unseren Verstand in die Helle göttlichen Lichtes rückt und unseren Willen der Wärme göttlicher Liebe aussetzt. Das Gebet ist die segensreiche Quelle, deren belebende Wasser die Pflänzchen unserer guten Wünsche zum Grünen und Blühen bringen, jeden Makel von unserer Seele hinwegspülen und das von Leidenschaft erhitzte Herz abkühlen.

2. Vor allem aber empfehle ich dir das Gebet des Geistes und des Herzens, ganz besonders jenes, das zum Gegenstand das Leben und Leiden des Heilands hat. Wenn du ihn oft betrachtest, wird deine Seele von ihm erfüllt, du lernst seine Art und Weise kennen und deine Handlungen nach den seinen formen. Er ist das Licht der Welt. In ihm, durch ihn und für ihn müssen wir folglich erleuchtet werden. Kinder lernen sprechen, indem sie der Mutter zuhören und alles nachzusprechen versuchen; so werden auch wir, wenn wir durch die Betrachtung beim Heiland weilen, seine Worte und Handlungen, sein Denken und Fühlen beobachten, bald durch seine Gnade reden, handeln und wollen lernen wie er selbst. Glaube mir, wir können zu Gott dem Vater nur durch diese Pforte (Joh 14,6) gehen.

Franz von Sales, Philothea II,1

Fest des hl. Franz von Sales, 24.01.2011, 18.00 Uhr

Der Hl. Franz von Sales (1567 – 1622), Bischof und Kirchenlehrer, hat seinen Festtag am 24. Jänner.
Er ist der Ordenspatron der Oblaten des hl. Franz von Sales, der Kongregation, die seit über 100 Jahren die Annakirche betreut.
Wir ehren unser spirituelles Vorbild mit einem Pontifikalamt mit Nuntius Dr. Peter Zurbriggen.
Die Schola von St. Anna singt von Karl Kempter die „Missa Pastoritia“.

Anschließend laden wir zu einer klösterlichen Agape. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

 

Bilder vom Fest des hl. Franz von Sales stellte uns Mag. Thomas Neunteufel zur Verfügung. Deo gratias!

Eigensinn und Einsicht

Monatsgedanken Jänner 2011

Es gibt Menschen, die sonst recht tüchtig und gut sind, aber an ihren Ansichten derart hängen und sie für so sicher halten, dass sie niemals davon abgehen wollen.
Man muss sich sehr in acht nehmen, solche Menschen um ihre Meinung zu fragen, wenn sie nicht darauf gefasst sind; antworten sie rasch und ohne genügende Überlegung, so ist es dann fast unmöglich, sie zur Erkenntnis und zum Eingeständnis ihres Irrtums zu bringen. Sie werden alle möglichen Beweise zusammensuchen, um ihre Meinung als die allein richtige zu verteidigen, und sich so immer mehr
in ihre Ansicht verbohren. Man wird sie nur dann davon abbringen können, wenn sie wirklich allen Ernstes nach Vollkommenheit streben.

Es gibt aber auch erleuchtete Geister und große Menschen, die von dieser Schwäche frei sind und gerne von ihren Ansichten abgehen. Sind sie auch noch so sicher, setzen sie sich doch nicht zur Wehr, wenn man ihnen widerspricht und ihre Ansicht nicht annimmt. So verhielt sich auch, wie ich vorher angeführt habe, der große hl. Thomas. –
Eigene Ansichten zu haben, ist also, wie ihr seht, etwas ganz Natürliches. Menschen mit schwermütigem Temperament beharren steifer auf ihrer Meinung als heitere Menschen mit fröhlichem Temperament, die
sehr leicht beeinflussbar und leichtgläubig sind.

Franz von Sales: Geistliche Gespräche, Bd. 2, S. 206

Siehe auch: www.osfs.eu „Ein Wort zum Tag“

Die heilige Messe

Monatsgedanken November 2010

1. Ich habe dir noch nichts gesagt von der Sonne der geistlichen Übungen:

vom hochheiligen und erhabenen Messopfer, dem Mittelpunkt der christlichen Religion, dem Herz der Frömmigkeit, der Seele der Andacht; ein unfassbares Geheimnis, das den Abgrund der göttlichen Liebe umfasst, durch das Gott sich wirklich mit uns vereinigt und uns seine Gnaden und Gaben in herrlicher Fülle spendet.

2. Dem Gebet in Vereinigung mit diesem göttlichen Opfer wohnt eine unsagbare Kraft inne.
Die Seele ist dann überreich an himmlischen Gnaden; sie stützt sich auf ihren Vielgeliebten (Hld 8,5), der sie so sehr mit geistlichen Wohlgerüchen und Freuden erfüllt, dass sie einer Rauchsäule von wohlriechendem Holz gleicht, bestreut mit Myrrhe, Weihrauch, Aloe und anderen duftenden Körnern, wie es im Hohelied (3,6) heißt.
3. Bemühe dich also ganz besonders, jeden Tag der heiligen Messe beizuwohnen, um mit dem Priester das Opfer deines Erlösers Gott dem Vater für dich und die ganze Kirche darzubringen.
Stets sind die Engel in großer Zahl dabei gegenwärtig, sagte der hl. Johannes Chrysostomus, um dieses heilige Geheimnis zu ehren; da wir uns mit ihnen in der gleichen Absicht einfinden, können wir durch den segensreichen Einfluss der Gemeinschaft mit ihnen nur viel gewinnen. Die Chöre der triumphierenden und streitenden Kirche vereinigen sich in dieser göttlichen Handlung mit dem Herrn, um mit ihm, durch ihn und in ihm das Herz Gottes des Vaters zu erfreuen und seine Barmherzigkeit uns zuzuwenden.
Welches Glück für eine Seele, durch ihr frommes Gebet an einem so kostbaren und begehrenswerten Geheimnis mitzuwirken!
Franz von Sales, Philothea II, Kap. 14

Annafest, 26. Juli 2010

Zum Annafest durften wir heuer Primiziant Wolfgang Kimmel begrüßen. Unserer Einladung folgten viele Freunde der Annakirche, sie war übervoll. Der Primiziant teilte nach dem Hochamt noch fast eine ganze Stunde den Einzelprimizsegen aus. Zur Agape kamen mehr Gäste als erwartet. Unsere Pfadfinder hatten alle Hände voll zu tun.
 

Über Youtube können Sie einen Kurzfilm sehen, den Mag. Thomas Neunteufel erstellte. Seine Fotos finden Sie unter unseren Fotoalben. Auch Dr. Martina Marinelli hat uns Fotos zur Verfügung gestellt.

In memoriam P. Isidor Fecher

Am 3. November 2009 ist Pater Fecher im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gestorben. Er lag dort seit dem 28. August in der Intensivstation. Um eine beidseitige Lungenentzündung zu heilen, versetzten ihn die Ärzte für Wochen in den Tiefschlaf. Leider konnte seine Atmung nicht vollständig wiederhergestellt werden.

P. Fecher wurde am 1. März 1924 in Niedernberg bei Aschaffenburg geboren. Im Krieg wurde er mehrfach verwundet, unter anderem auch an der Lunge. 1949 trat er in unser Noviziat in Eichstätt ein. 1955 wurde er zum Priester geweiht. Schon 1956 kam er als Kaplan in die Krim im 19. Bezirk. Von 1973 – 1985 leitete er unsere Ordensprovinz als Provinzial. Anschließend wurde er Pfarrer der Krim. Von 2002 bis 2007 war er Beichtvater bei uns in St. Anna. Sein 85. Geburtstag wurde ein großartiges Fest in der Pfarre Krim.

Pater Thomas Vanek osfs, Provinzial

P. Vanek bei seiner Predigt
in Fockenfeld, 22.8.2009

Seit 1. Juli 2009 gibt es im Orden der Oblaten des hl. Franz von Sales nur mehr eine deutschsprachige Provinz.
Der neue Provinzial ist Pater Thomas Vanek. Er war zuvor in Ried im Innkreis, in Eichstätt/Bayern und als Hausoberer und Religionsprofessor an unserm Gymnasium in Dachsberg, O.Ö., tätig.

Er löst Pater Konrad Haußner als Provinzial ab, der in den letzten zwölf Jahren unsere Provinz leitete und nun seinem Ruf nach Düdingen in die Schweiz folgt.

Konzelebration in Fockenfeld

                    Vivat Jesus!

 

 

 

Die Kirche St. Anna

Unsere Kirche ist leicht zu finden. Sie gehen von der Staatsoper in der Kärntnerstraße Richtung Stephansdom. Die dritte Gasse nach rechts ist die Annagasse. Wenn Sie Ihre Augen erheben, sehen Sie einen Kirchturm. Der gehört zur Annakirche.

1518 wurde am St. Anna Tag (26. Juli) die gotische Annakirche eingeweiht.Von 1582 – 1773 gehörte die Annakirche den Jesuiten. 1632-1633 erhielt die Kirche eine frühbarocke Ausstattung. Nach einem Brand schuf Daniel Gran 1751 die Deckenfresken und das Hochaltarbild.

Ab 1897 wirkt hier die Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales. 1906 werden die Oblaten die Eigentümer der Annakirche. Seit dieser Zeit wird hier täglich Beichte als Dienst der Versöhnung angeboten. Außerdem ist seit dieser Zeit täglich das Allerheiligste in der Monstranz zur Anbetung ausgesetzt.

Seit 2004 bieten wir als dritte Säule Möglichkeiten der Begegnung an. Unsere spirituellen und therapeutischen Begegnungsangebote finden Sie im aktuellen Folder “Manna” unter Downloads bzw. im Terminkalender.

Unsere Anschrift:

Kirche St. Anna, Annagasse 3b, 1010 Wien
Telefon: 01 512 47 97, FAX DW 26
Kirchenrektor: P. Dr. Maximilian Hofinger osfs
Email: hofinger@osfs.at

Renovierung der Annakirche 2003-2004

Herrlichkeit der Mutter Anna, Daniel Gran (1694-1757). Bild: Wikipedia

„Für mich gehört die Annakirche zu den schönsten Barockkirchen!“, mit solchen und ähnlichen Worten loben die Kunstgeschichtler unserer Tage die Kirche St. Anna. Es beeindruckt die einheitliche Ausstattung, es passt die bescheidene Größe, es überzeugt die durchgehende Harmonie der Farben und der Figuren.

Auch die Namen der hier tätigen Künstler überzeugen von der Qualität dieser Kirche: Daniel Gran (1694 – 1757) schuf die drei Deckenfresken, das Hochaltargemälde und die Fresken in der Franz Xaver Kapelle, die dort aufgestellte Anna Selbdritt wird Veit Stoß zugeschrieben, die Seitenaltarbilder stammen vom Kremser Schmidt, Christoph Tausch zeichnet verantwortlich für die Raumgestaltung.

Seit wann gibt es eine Annakirche? Die erste Kirche wurde 1518 eingeweiht. 1573 erhielten sie die Jesuiten. Die Kirche wurde 1632 – 1633 umgebaut und am 20. November 1633 im Beisein Kaiser Ferdinands II. eingeweiht. 1716 wurde unter der Regie von Christoph Tausch SJ (1673 – 1731) die ganze Kirche neu ausgestattet.

Am 25. Juni 1747 brannte durch Blitzschlag der Turm und das Dach der Kirche ab. Die Gewölbe hielten, das Dach wurde notdürftig hergestellt. Man staune, schon am 26. Juli 1747 konnte man das Annafest in Anwesenheit von Kaiserin Maria Theresia in der Kirche feiern.

Erst 1751 wurde das rauchgeschwärzte Kircheninnere renoviert. Le Grand, so nannte man damals Daniel Gran, übernahm die Fresken.

Grans Fresken ließ man 1840 durch Franz Geyling in dunkleren Farben erneuern. 1897 haben die Oblaten des hl. Franz von Sales die Gottesdienste in der Annakirche übernommen, 1906 bekamen die Oblaten auch das Eigentumsrecht. Die Restaurierung von 1969/70 beseitigte die Geylingsche Übermalung. Restaurator war der Maler Gustav Krämer, die Vergoldungen besorgte Fr. Campitell.

Die hier angegebenen Jahreszahlen beruhen auf dem Bericht von Richard Perger, Zur Baugeschichte und Ausstattung der Annakirche in Wien I, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, XL/86, Seite 8 – 19. Perger stützt sich auf „Litterae annuae provinciae Austriae Societatis Jesu“, die jährlichen Berichte der österreichischen Jesuitenprovinziale an den Ordensgeneral in Rom, Österr. Nationalbibliothek.